About

Seit 2005 findet jedes Jahr in Hamburg eine Euromayday-Parade am 1. Mai statt. Damals sind wir angetreten unter dem Motto “Ein Sonntag für globale Rechte”. Anstatt abstrakte Demoparolen zu skandieren, hatten wir in den ersten Jahren zunächst einfach nur einen Haufen Fragen: Woher kommt Morgen mein Geld? Wie streike ich als Ich-AG? Reicht das Geld für den Kita-Platz? Was ist, wenn ich krank werde? Welche Jobs gehen ohne Pass? Wie würde ich gerne leben? Im folgenden Jahr versuchten wir diese Fragen auf dem Kongress “Die Kosten rebelieren II” in einem größeren Rahmen zu diskutieren. Im europäischen Euromayday-Netzwerk kursiereten währenddessen die Bilder der prekären Superhelden. Es gab den Wunsch nach Selbstermächtigung: Jeder entwickelt in seinem prekären Alltag Superheldenkräfte, die es gilt sichtbar zu machen. 2008 wollten wir es noch genauer wissen und starteten die Kampagne “Mir reicht’s … nicht!“. Teil der Kampagne war eine militante Untersuchung auf der documenta in Kassel und der Berlinale in Berlin zu prekären Arbeitsverhältnissen im Bereich von Wissens- und Kulturproduktion. Zur Parade schwärmten wir mobil nach Barmbek aus, um den Nazi-Aufmarsch zu blockieren. 2009 stand im Zeichen der Krise. Wir fuhren im Konvoi nach Blankenese, um dort das Ende des Neoliberalismus zu feiern. Und sagten es ihnen ins Gesicht: This party is so over! 2010 war krisenfest zu sein unser Alltag: “keine Wertpapierverluste, keine Insolvenzen, Sparquote nach wie vor stabil bei Null, in der Arbeitswelt immer noch wahlweise prekär verdienend, erwerbslos oder Praktikantin.” Mit Glamour precaire und Schuhwürfen auf die Elbphilharmonie ging es durch die Hafencity. 2010 und 2011 spielte der Slogan “Arbeit ist die halbe Miete” eine wichtige Rolle, die Verbindung zwischen Gentrifizierung und Prekarisierung. Es gründete sich das Lux&Konsorten-Netzwerk: lokale Unternehmungen für günstigen Gewerberaum in Altona. Vom Motorradschrauber bis zur Tischlerin, vom Bildungsträger bis zur Bürogemeinschaft gibt es Bedarf an kommunalen und spekulationsfreien Gewerberäumen, die Gestaltung und Mitbestimmung in der Stadt erst ermöglichen. 2012 wollen wir endlich Platz nehmen. Fragen gibt’s noch immer viele, aber zumindest haben sie sich in den letzten Jahren konkretisiert und sind greifbarer geworden.