“Gehen Sie bitte weiter. Hier gibt es nichts zu sehen.”

Euromayday013 verlässt die Stadt?

Samstag, 20. April 2013, 20Uhr im Buttclub (Hafenstr. 126)

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Ein kommunistischer Buchhalter bilanziert über private wie gesellschaftliche Soll und Haben. Ein Zyklus sozialer, kultureller, technologischer und politischer Erneuerungen, manchmal auch nur Versuche derselben, hat seine Grenzen kennen gelernt. Die Kämpfe an den Grenzen der Arbeit, der Institutionen, der Migration haben ihre Spuren hinterlassen und ihre Wunden ins Fleisch geschlagen. Die Fragen ‚wie regieren wir uns selbst?‘ und ‚lohnen sich Proteste?‘ bestehen weiter auf Antworten.
Euromayday013 empfiehlt einen Bewegungsmodus mit aufmerksamem Blick auf die Landschaften, die wir durchquert haben und ansteuern.
Ein Abend voller Enttäuschungen, Thesen, Geräusche und Bilder aus den europäischen Parallelwelten.

Palais d’amour
Europäische Vernetzung ist 2005 der Startschuss und der Nukleus von Euromayday gewesen. Heute gibt es mehr Vernetzung und weniger politisches Projekt denn je. Revolten ja, Wege der Veränderung oder Umgestaltung bleiben ein Fragezeichen.
Fragen stellen war immer ein Motto von Euromayday. Nach 9 Jahren frage ich nach Antworten. So vorläufig sie sein mögen, viele sind ernüchternd. Ob es um die großen und kleinen Fragen rund um (digital) Eigentumsrechte, Migration und Bürgerschaft, Teilhabe oder Kontrolle in den sozialen- und Infrastrukturnetzen geht: Zur Zeit ist die Restaurierung der alten Ordnung und das Getrampel der Dinosaurier angesagt.

Die Stadt ist unsere Fabrik
2011 war unsere Frage: Wie sieht unsere Betriebsversammlung in der Stadt aus? Platz nehmen wollten wir 2012 in der Harkortstraße bei der Neuen Mitte Altonas. Platz nehmen wollten wir auch am Spielbudenplatz um den Abriss der ESSO-Häuser zu vermeiden. Doch was bleibt ist ein Kater. Eigene Ideen zerschellen an Mauern behördlicher Ignoranz und Vereinnahmungsrhetorik. Politische Teilhabe und kommunale Interessen werden verwehrt. Wir wie auch andere Initiativen und BürgerInnen in der Stadt sind nicht aufgestellt, das zu ändern. Wenn wir zum Beispiel über die Höhe unserer Mieten reden: So viel Lohnerhöhung wie nötig übersteigt die Fantasie der meisten.
In der Rhetorik der Fabrik: wir sind ausgesperrt. Der Streik, die Eigeninitiative, die Kündigung läuft ins Leere.

Plebejische Perspektiven auf dem Prüfstand
2012 wollten wir konfliktfähig werden. Das Ergebnis war enttäuschend. Vielleicht eignet sich Euromayday tatsächlich besser als symbolischer und demonstrativer Ort? Doch dann frage ich, ob die sowieso bespielten Plätze und Konfliktorte die richtigen Adressen oder Hausnummern sind?
Haben wir dort unsere Positionen gestärkt? Uns Selbstvertrauen geholt und wohl gefühlt? Haben wir dort etwas gefunden, das wir nicht bereits kannten? Gibt es Orte, an denen wir uns willkommener fühlen als die, an denen wir ignoriert werden oder nur als demütige StadtnomadInnen Platz finden?

Systemwechsel lautet eine Lösung, wenn du dich wieder zu sehr geärgert hast über das laufende Betriebssystem. Make world ist der Befehl der Programmierer. Für die AnwenderInnen stellt sich die Frage: Was tun, wenn kein geeignetes Programm im Handel ist?

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